Tante Mone
Ich bin eine kinderlos gebliebene Frau, deren ökologische Uhr so langsam ausgetickt hat, und schon als 7- jähriges Mädchen soll ich gesagt haben, dass ich mal keine eigenen Kinder haben werde. Eine Astrologin hat mir mal gesagt, das könne daher kommen, dass mir in einem früheren Leben meine Kinder (mehrere!) weggenommen wurden, und daß ich in diesem Leben daher solche Angst vor Verlust habe, dass ich erst gar keine Kinder haben will.
Ich selbst habe in meinem wachen, fruchtbaren Erwachsenenleben niemals explizit Nein zu der Möglichkeit eigener Kinder gesagt, rückblickend denke ich , dass ich ein paar Mal echt kurz davor war, aber es war dann halt einfach nicht.
Denn leider hatte ich nie das Glück, eine längerandauernde Beziehung mit einem Mann erleben zu dürfen (damit meine ich, länger als 3 Jahre), und das Los, alleinerziehende Mutter zu sein, blieb mir auch erspart.
Anstattdessen fand irgendwann ein kleines Hundelebewesen zu mir, welches ich nun seit 10 Jahren mütterlich versorge, und so einen Teil meines angeborenen Instinktes anwenden konnte, und hoffentlich noch lange kann.
Als junge Erwachsene konnte ich mit Kindern wenig anfangen. Das begann vielleicht so mit 35, als ich Freundinnen mit vielen Kindern bekam, und merkte, dass nicht nur ich die Kinder sehr mag, sondern auch sie mich. Irgendwie muss ich nie nachdenken, wenn ich mit Kindern zusammen bin, ich lasse einfach die Kinder machen, lasse sie auf mich zugehen, wie sie es mögen, und vielleicht ist es ja das, was sie an mir so mögen. Es ist ein bisschen wie mit Brasky, die all ihre Lieblingsspiele selbst erfunden und mir beigebracht hat.
Ich finde, man kann soooo vieles lernen von Kindern!
Jedenfalls, es war eine Weile her, seit ich regelmäßigen Kontakt zu Kindern hatte, auf Mallorca, vor ein paar Jahren noch, dann nur noch sporadisch, und es hat mir schon sehr gefehlt.
Hier nun bin ich ja dann vor ca. 8 Monaten zufällig an das Nachbarskind geraten.
(Ich werde sie ab jetzt Sabinchen nennen).
12 Jahre, übergewichtig, aus einer sogenannten sozial eher „schwachen“ Familie (kettenrauchend, biertrinkend), die in einem der ältesten Bauernhäuser des Ortes lebt, mit 4 älteren Brüdern. Wie immer bei kleinen Mädchen war es Brasky, die den Kontakt klarmachte, und so hat es sich auch weiterentwickelt. Wir kamen auf der Strasse ins Gespräch, irgendwann begleitete sie mich auf die Wiese, dann fragte sie, ob sie mal alleine mit Brasky gehen dürfe. Einsiedlerin, die ich bin, habe ich mich nur zögerlich geöffnet, es dauerte Monate, bis ich sie, die den Hund zurückbrachte, mal in die Diele liess, weitere Monate, bis sie in die Wohnung rein durfte. Das hat sich ganz langsam entwickelt, dass wir uns jedes Mal ein bisschen länger unterhielten, dass wir anfingen zu telefonieren, um etwas auszumachen. Ich bin ganz am Anfang zu ihrer Mutter gegangen, und habe sie gefragt, ob es ihr denn recht sei, daß Sabinchen den Hund ins Haus bringt. Dann fingen wir an, ZUSAMMEN spatzierenzugehen, und haben uns mehr und mehr unterhalten.
Es ist nicht so meine Art, Kinder auszufragen, jedenfalls nicht über schwierige Themen, das Verhalten ihrer Eltern, oder so, und so dauert es einfach etwas länger, bis das Kind selbst solche Themen anspricht. Mein Sabinchen ist, obwohl es sicher kein leichtes Elternhaus ist, in dem sie lebt, ein fröhliches und stabil wirkendes Mädchen, und langsam, so wie ich sie besser kennenlerne, zeigt sich, dass sie ein beachtliches Verständnis für ihre Umwelt und menschliche Umgebung besitzt, und viel Herz.
Heute hatten wir das Projekt „Hundehalsband“. Wir waren bei einem Haustierzubehörsladen und haben für den Mausezahn ein neues, schickes Lederhalsband und 2 nagelneue Quietschefischlis gekauft. Mit von der Partie war Sabinchens beste Freundin, ein 9 jähriges, kleines Mädchen (ich nenne sie Michaela), welches mir vorher eher unangenehm aufgefallen war, weil sie dauernd, ständig redete, wie ein Wasserfall, und dabei völlig belangloses Zeug.
Während der Autofahrt bekam ich (ach so leicht genervte Erwachsene) dann mal wieder eine Lektion erteilt, die ich nicht so schnell vergessen werde.
Die Mädchen erzählten mir, dass Michaela jetzt in den Ferien ein paar Tage bei Sabinchen übernachten darf, und dass sie ganz froh sind, weil M. solche Angst vor ihrer (4 Jahre älteren) Schwester hat, weil die sie immer haut, und total agressiv und unfreundlich zu ihr ist. Es folgten recht ausführliche, ziemlich haarsträubende Beschreibungen der Misshandlungen, denen das kleine Mädchen wohl fast täglich ausgesetzt ist, incl. Hinweise auf all die blauen Flecken. Sabinchen, die neben mir vorne sass, meinte leise zu mir: Deswegen redet sie immer so viel Mist, es ist, weil sie so nervös ist, und immer so viel Angst hat, und ihre Mutter ihr nicht glaubt, sondern sie noch viel mehr schimpft.
Ich wäre fast in den Graben gefahren, echt!
Sabinchen meinte, sie hat sich bisher ein bisschen gescheut, was zu sagen, weil die Schwester auch ihre Freundin ist, aber sie findet es auch nicht gut, und wird versuchen, mal besser mit ihr zu reden.
Ich bin eigentlich kein Mensch, der sich massiv in das Leben anderer Menschen einmischen mag. Wenn es um Kinder geht, erwacht in mir aber so etwas wie eine Tigermutter, mein Herz ist plötzlich 5x so gross und ich könnte auf der Stelle jemanden zerreissen (vornehmlich die- oder denjenigen, der einem Kind was zuleide tut).
Da es sich in diesem Falle selbst um ein Kind handelt, welches misshandelt (vielleicht, weil es selbst misshandelt wurde), und um eine Familie, die ich nicht überhaupt nicht kenne, muss bedachtsam an die Sache herangegangen werden.
Zumindest habe ich heute meine Lektion bekommen, einem kleinen Mädchen einfach zuzuhören, auch wenn sie umständlich und langweilig spricht, und ihr Mut und Verständnis zu vermitteln.
Ansonsten werde ich dranbleiben, und versuchen, in Sabinchen, die vielleicht tatsächlich die Möglichkeit hätte, irgendetwas aufzudecken und zu verändern, ein bisschen Zivilcourage zu entwickeln. Erwirken, dass irgendwelche Lehrer Bescheid bekommen oder so. Mal sehen.
Und eins weiß ich wieder mal:
Vorurteile sind für den Arsch!!! Immer!
Ich bin froh, dass ich sie hinter mir lassen konnte.
Erst mal zuhören, was im Hintergrund ist, bevor man sich abwendet!
BRRRRRRR!
Ich selbst habe in meinem wachen, fruchtbaren Erwachsenenleben niemals explizit Nein zu der Möglichkeit eigener Kinder gesagt, rückblickend denke ich , dass ich ein paar Mal echt kurz davor war, aber es war dann halt einfach nicht.
Denn leider hatte ich nie das Glück, eine längerandauernde Beziehung mit einem Mann erleben zu dürfen (damit meine ich, länger als 3 Jahre), und das Los, alleinerziehende Mutter zu sein, blieb mir auch erspart.
Anstattdessen fand irgendwann ein kleines Hundelebewesen zu mir, welches ich nun seit 10 Jahren mütterlich versorge, und so einen Teil meines angeborenen Instinktes anwenden konnte, und hoffentlich noch lange kann.
Als junge Erwachsene konnte ich mit Kindern wenig anfangen. Das begann vielleicht so mit 35, als ich Freundinnen mit vielen Kindern bekam, und merkte, dass nicht nur ich die Kinder sehr mag, sondern auch sie mich. Irgendwie muss ich nie nachdenken, wenn ich mit Kindern zusammen bin, ich lasse einfach die Kinder machen, lasse sie auf mich zugehen, wie sie es mögen, und vielleicht ist es ja das, was sie an mir so mögen. Es ist ein bisschen wie mit Brasky, die all ihre Lieblingsspiele selbst erfunden und mir beigebracht hat.
Ich finde, man kann soooo vieles lernen von Kindern!
Jedenfalls, es war eine Weile her, seit ich regelmäßigen Kontakt zu Kindern hatte, auf Mallorca, vor ein paar Jahren noch, dann nur noch sporadisch, und es hat mir schon sehr gefehlt.
Hier nun bin ich ja dann vor ca. 8 Monaten zufällig an das Nachbarskind geraten.
(Ich werde sie ab jetzt Sabinchen nennen).
12 Jahre, übergewichtig, aus einer sogenannten sozial eher „schwachen“ Familie (kettenrauchend, biertrinkend), die in einem der ältesten Bauernhäuser des Ortes lebt, mit 4 älteren Brüdern. Wie immer bei kleinen Mädchen war es Brasky, die den Kontakt klarmachte, und so hat es sich auch weiterentwickelt. Wir kamen auf der Strasse ins Gespräch, irgendwann begleitete sie mich auf die Wiese, dann fragte sie, ob sie mal alleine mit Brasky gehen dürfe. Einsiedlerin, die ich bin, habe ich mich nur zögerlich geöffnet, es dauerte Monate, bis ich sie, die den Hund zurückbrachte, mal in die Diele liess, weitere Monate, bis sie in die Wohnung rein durfte. Das hat sich ganz langsam entwickelt, dass wir uns jedes Mal ein bisschen länger unterhielten, dass wir anfingen zu telefonieren, um etwas auszumachen. Ich bin ganz am Anfang zu ihrer Mutter gegangen, und habe sie gefragt, ob es ihr denn recht sei, daß Sabinchen den Hund ins Haus bringt. Dann fingen wir an, ZUSAMMEN spatzierenzugehen, und haben uns mehr und mehr unterhalten.
Es ist nicht so meine Art, Kinder auszufragen, jedenfalls nicht über schwierige Themen, das Verhalten ihrer Eltern, oder so, und so dauert es einfach etwas länger, bis das Kind selbst solche Themen anspricht. Mein Sabinchen ist, obwohl es sicher kein leichtes Elternhaus ist, in dem sie lebt, ein fröhliches und stabil wirkendes Mädchen, und langsam, so wie ich sie besser kennenlerne, zeigt sich, dass sie ein beachtliches Verständnis für ihre Umwelt und menschliche Umgebung besitzt, und viel Herz.
Heute hatten wir das Projekt „Hundehalsband“. Wir waren bei einem Haustierzubehörsladen und haben für den Mausezahn ein neues, schickes Lederhalsband und 2 nagelneue Quietschefischlis gekauft. Mit von der Partie war Sabinchens beste Freundin, ein 9 jähriges, kleines Mädchen (ich nenne sie Michaela), welches mir vorher eher unangenehm aufgefallen war, weil sie dauernd, ständig redete, wie ein Wasserfall, und dabei völlig belangloses Zeug.
Während der Autofahrt bekam ich (ach so leicht genervte Erwachsene) dann mal wieder eine Lektion erteilt, die ich nicht so schnell vergessen werde.
Die Mädchen erzählten mir, dass Michaela jetzt in den Ferien ein paar Tage bei Sabinchen übernachten darf, und dass sie ganz froh sind, weil M. solche Angst vor ihrer (4 Jahre älteren) Schwester hat, weil die sie immer haut, und total agressiv und unfreundlich zu ihr ist. Es folgten recht ausführliche, ziemlich haarsträubende Beschreibungen der Misshandlungen, denen das kleine Mädchen wohl fast täglich ausgesetzt ist, incl. Hinweise auf all die blauen Flecken. Sabinchen, die neben mir vorne sass, meinte leise zu mir: Deswegen redet sie immer so viel Mist, es ist, weil sie so nervös ist, und immer so viel Angst hat, und ihre Mutter ihr nicht glaubt, sondern sie noch viel mehr schimpft.
Ich wäre fast in den Graben gefahren, echt!
Sabinchen meinte, sie hat sich bisher ein bisschen gescheut, was zu sagen, weil die Schwester auch ihre Freundin ist, aber sie findet es auch nicht gut, und wird versuchen, mal besser mit ihr zu reden.
Ich bin eigentlich kein Mensch, der sich massiv in das Leben anderer Menschen einmischen mag. Wenn es um Kinder geht, erwacht in mir aber so etwas wie eine Tigermutter, mein Herz ist plötzlich 5x so gross und ich könnte auf der Stelle jemanden zerreissen (vornehmlich die- oder denjenigen, der einem Kind was zuleide tut).
Da es sich in diesem Falle selbst um ein Kind handelt, welches misshandelt (vielleicht, weil es selbst misshandelt wurde), und um eine Familie, die ich nicht überhaupt nicht kenne, muss bedachtsam an die Sache herangegangen werden.
Zumindest habe ich heute meine Lektion bekommen, einem kleinen Mädchen einfach zuzuhören, auch wenn sie umständlich und langweilig spricht, und ihr Mut und Verständnis zu vermitteln.
Ansonsten werde ich dranbleiben, und versuchen, in Sabinchen, die vielleicht tatsächlich die Möglichkeit hätte, irgendetwas aufzudecken und zu verändern, ein bisschen Zivilcourage zu entwickeln. Erwirken, dass irgendwelche Lehrer Bescheid bekommen oder so. Mal sehen.
Und eins weiß ich wieder mal:
Vorurteile sind für den Arsch!!! Immer!
Ich bin froh, dass ich sie hinter mir lassen konnte.
Erst mal zuhören, was im Hintergrund ist, bevor man sich abwendet!
BRRRRRRR!
momoseven - 2010/04/07 18:19
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