Angst vor der Angst

Eigentlich wollte ich heute ja endlich was über meinen bevorstehenden Urlaub schreiben, aber nun muss ich versuchen, mir die Schwere und Enge, die sich heute Nachmittag auf meine Brust gelegt hat, wieder loszuwerden, und vielleicht gelingt mir das beim Schreiben.
Wie ich Euch vielleicht erinnert, mache ich derzeit ein Praktikum im kommunalen Kino meiner Stadt, und es ist, nach langer Zeit, der erste Job, der mir mal so richtig gut gefällt. Ich fühle mich in einer angenehm-anregenden, aber nicht zu stressigen Weise gefordert, ich mag die Leute, und sie scheinen mich zu mögen, und selbst nach der 3. Woche gehe ich morgens einfach gerne dahin, und hab das Gefühl, etwas Schönes und Sinnvolles tun zu können, alles geben zu wollen und noch viel dabei zu lernen.
Der Plan war, das Ganze, was derzeit noch als Praktikum läuft, in eine mehrmonatige Arbeitsmaßnahme münden zu lassen, einen sog. 1,50 Euro-Job, vorausgesetzt, die ARGE bewilligt mir weiteren Hartz4-Bezug. Normalerweise dauern solche Verträge 6 Monate, ein Zeitraum, der einigermaßen lang genug erscheint, um für eine gewisse Zeit "aufatmen" zu können, sich auf die Arbeit selbst konzentrieren zu können, und nicht dauernd nur auf die Tatsache, daß man sich schon bald wieder komplett umstellen muss, und wieder alles neu strukturieren muss.
In den letzten 5 Monaten hatte ich ja bereits einige Aufregung mit dem Wechsel von der Druckerei zum Altersheim und wieder zurück, fand es schwer und anstrengend und auch ziemlich irritierend, mich immer wieder umstellen zu müssen, alles immer wieder neu zu organisieren.
Man kann natürlich sagen, daß ich dadurch eine gewisse Übung in diesen Dingen bekommen habe, was im Praktischen vielleicht zutrifft, aber nicht auf die Gefühlsebene.
Nun habe ich heute erfahren, daß die Verlängerung meiner Maßnahme (vorausgesetzt ich bekomme überhaupt eine Verlängerung meiner Bezüge) nicht mehr 6 Monate, wie früher, sondern nur noch 3 Monate beträgt (die ARGE wird immer strenger, sagte meine Betreuerin), und auch wenn ich mich freue, daß ich vielleicht überhaupt eine Verlängerung bekomme, hat das innerlich in mir eine furchtbare Angst ausgelöst, die ich nun schon den ganzen Nachmittag wieder abzuschütteln versuche.
Es ist die Angst, wieder dahin zurückzumüssen, in die Nichtbeschäftigung, die Depression, das Gefühl nichts wert zu sein, in einen Tag ohne Struktur, der so lang ist, daß man darin versinkt und verschwindet, und müde und allein zurückbleibt. Auf der Strecke.
Gerade erst habe ich endlich mal das Gegenteil kosten dürfen, und ich beklage mich noch nicht mal darüber, daß ich nicht gut bezahlt werde, obwohl ich wirklich gute Sachen mache.
Aber gerade dann, wenn man spürt, daß man endlich mal wieder Gas geben kann und das auch tut, tritt von aussen jemand auf die Bremse und greift ins Lenkrad. So fühlt es sich gerade einfach an.
Natürlich werde ich zusehen, daß ich Bewerbungen schreibe, und mir eine Stelle suche, und ich bin froh, daß es mir insgesamt wieder viel besser zu gehen scheint, aber zum Kuckuck, muss das immer alles dann passieren, wenn ich gerade mal ein klitzekleines Gefühl der Stabilität und der Zufriedenheit aufgebaut hatte???

So, jetzt bin ich zumindest etwas weniger verzweifelt, und dafür mehr wütend!!!!!

Am liebsten würde ich natürlich im Kino weiterarbeiten, direkt fest angestellt, aber das ist nur ein schöner Traum, ich schrieb ja schon drüber, wie knapp die sich durchlavieren müssen.
Die Wut erleichtert es mir aber, mich auch darauf einstellen zu lernen, mit der Zeit, besser, als ich es in verzweifeltem Zustand könnte.
Wie mir geht es soooooo vielen Menschen, diese Unsicherheit, dieses sich dauernd umstellen müssen, die Angst, die Bezüge komplett zu verlieren, oder der Stress, mit total wenig Geld jeden Monat hinkriegen zu müssen (am End noch mit Kindern), und auch der Horror davor, an einen richtig beschissenen Job zu geraten, den man aber nicht ablehnen kann, und die Angst, deßwegen wieder krank zu werden, abgesehen von der Scham, von der Gesellschaft als nutzlos und als Schmarotzer angesehen zu werden, all das ist ein hartes Brot, und auch wenn ich es niemandem wünsche, so sollten jene, die so abfällig reden, einmal eine Weile so leben müssen.

Das musste ich heute loswerden.
Jetzt geht es wieder ein kleines bißchen besser, aber mein Herz fühlt sich noch sehr wund und zittrig an.
Das Gleichgewicht ist einfach noch sehr fragil bei mir, der zu begehende Grat noch sehr schmal, die Erinnerung an andere, dunklere Tage noch sehr frisch, und die Verletzungen aus diesen Tagen gerade mal so verheilt, daß die Narben bei Veränderungen wieder zu schmerzen beginnen....

:-/
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