Freitag, 18. Dezember 2009

Neues Experiment

Nein, diesmal geht es nicht um Bildchen, Geschichten oder Toastexperimente, sondern um mich selbst.
Ich habe ja nun eine Weile gar nicht mehr gross über meine tatsächliche Situation geschrieben, teils, weil ich hier kein Jammerblog haben will (den Vorwurf gab es) und auch, weil ich bei dem vielen "Roten Alarm", der in den letzten Monaten so oft schrillte, nicht "die Mücken scheu machen" wollte, sprich, niemanden unnötig beunruhigen (den Vorwurf gab es auch).
Was ich in den letzten Monaten gelernt habe, ist, den Wunsch loslassen zu können, von jedermann verstanden zu werden. Dieser Wunsch resultierte aus meiner Verzweiflung über meine gesundheitliche Situation, und dem Bedürfniss, mich seelisch unterstützt zu fühlen. Das ist an sich sehr menschlich, kann aber in die Hose gehen, wenn die Unterstützung nicht so eintrifft, wie man sich das wünscht, aus welchen Gründen auch immer. Dann rennt man gegen Wände und tut hauptsächlich sich selber weh. In den letzten Wochen habe ich immer mehr begriffen, daß ich mich selber verstehen muss, und daß ich, wenn ich das tue, mich auch selber unterstützen kann. Daß ich sogar die einzige Person bin, die diese schwere Aufgabe tatsächlich adäquat erfüllen kann, da ich doch selbst am Besten weiss, was los ist, und als Einzige im Besitz ALLER für mich wichtigen Fakten bin. Diese Art, zu denken, hat mir in der Zeit einiges erleichtert, und mich befähigt, einige Entscheidungen zu treffen, die mir aus einer langanhaltenden Unbeweglichkeit wieder zu neuer Bewegung verholfen haben.
Fakt ist, daß ich trotz eingehender, weitgehend ergebnissloser Untersuchungen und trotz grosser Bemühungen meinerseits, was gesunden Lebensstil und innere Arbeit betrifft, weiterhin unter denselben Beschwerden leide, die mich nun seit mehr als 2 Jahren begleiten, wozu auch eine immer wieder auffallende Blutbildveränderung gehört, welche eben auch den Roten Alarm ausgelöst hat. Derzeit sind alle Ärzte mit ihrem Latein am Ende, und für mich ist jeder weitere Arztbesuch nur noch eine frustrierende Angelegenheit. Ich stehe unter regelmässiger Beobachtung, aber eine Diagnose ist derzeit nicht in Sicht, was also ist zu tun?
In den letzten Monaten lernte ich, mit Hilfe meiner Therapeutin, besser mit der ganzen Situation umgehen zu können, d.h. meinen Focus nicht mehr ausschliesslich auf die Beschwerden zu richten, sondern auf das, was es sonst noch Positives in meinem Leben gibt, und das ist zum Glück sehr viel, nicht zuletzt unser kleines Bloggerdorf.
Meinen Unterhalt, also die allerwichtigsten Sachen wie Wohnen und Essen beziehe ich zum Glück derzeit aus dem Hartz 4-Programm, es ist knapp, aber möglich, und ich bin froh, daß es diese Möglichkeit für mich gibt. Was mich aber die ganze Zeit sehr belastet hat, ist das Gefühl, nichts Sinnvolles, Regelmässiges, Strukturiertes tun zu können, und gewissermassen zu Hause angebunden zu sein, was ja bei einer Neigung zu Depressionen nicht unbedingt förderlich ist. Ich habe zwar inzwischen sehr viel Disziplin entwickelt, was Struktur im Alltag angeht, aber es ist einfach was anderes, als wenn man jeden Tag rauskommt und unter Menschen ist, und eine Arbeit hat.
Ich hätte mir gern schon lange "probeweise" einen Minijob besorgt (Vollzeit zu arbeiten ist bei meiner derzeitlichen Befindlichkeit trotz Motivation einfach nicht drin), das Problem dabei ist, daß ich damit meinen Grundunterhalt komplett verlieren könnte, und auch nicht guten Gewissens einen Arbeitsvertrag unterzeichnen könnte, weil ich mich ja nicht bei voller Kraft und komplett gesund fühle, und auch keine Diagnose und somit auch keine Behandlung habe. Gewissermassen eine Pattsituation.
Wunderbarerweise ist mein Problem in den vorhandenen Möglichkeiten und Gesetzgebungen schon vorgesehen, und es bedurfte meinerseits nur ein bisschen Mut und die Bereitschaft, überhaupt mal zu fragen, was ich für Möglichkeiten habe.
Ich habe tatsächlich das Glück, einen wirklich netten und verständnissvollen Arbeitsberater abbekommen zu haben, der mich in den letzten Monaten, in denen ich ständig auf irgendwelche Untersuchungsergebnisse warten musste, immer wieder von der Bewerbungspflicht zurückgestellt hatte, und mich niemals gedrängt hat, und nachdem ich absehen konnte, daß sich die ganze Chose weiter hinziehen wird (Kommen Sie in 4 Wochen wieder...), habe ich ihn um einen Termin gebeten, und ihn gefragt, ob es nicht eine Möglichkeit gibt, in irgendeiner zeitlich begrenzten Massnahme meine Belastbarkeit auszuprobieren, ohne daß ich gleich aus dem ganzen Stützgerüst rausfalle und siehe da: Es gibt sie!
Nun stehe ich also auf der Liste für einen sogenannten 1 Euro-Job, gestern stellte ich mich bei der zuständigen Stelle vor, und sprach mit einer sehr netten und feinfühligen Frau, die mir, unter Berücksichtigung meiner Neigungen und Fähigkeiten, aber auch meiner derzeitigen gesundheitlichen Einschränkungen bereits für Anfang Januar einen 20 Stunden-Job in einer sozialen Einrichtung in Aussicht gestellt hat. Und entweder wird sich mein Zustand durch die Herausforderung, und die neue Alltagsstrukturierung verbessern, und ich kann ganz genau herausfinden, ob mein Zustand nun tatsächlich durch die psychosomatische Komponente der langen Arbeitslosigkeit so schlecht geblieben ist (wie von einigen, ansonsten ratlosen Ärzten behauptet), ODER es geht mir weiterhin tatsächlich schlecht, oder schlechter, und ich kann wieder "begründet" auf eine weitere Diagnosesuche gehen, zumal dann genug Zeit verstrichen ist, um bestimmte Untersuchungen zu wiederholen.
Jedenfalls hat dieser schwebende Zustand der Ungewissheit und Hilflosigkeit ein Ende, und ich kann meinem Wunsch, aktiv etwas verändern zu wollen, endlich wieder Ausdruck verleihen.
Tatsächlich bekomme ich dann durch die sog. Mehraufwandsentschädigung ein wenig mehr Geld, was zudem eine Erleichterung und eine gewisse Befriedigung beinhaltet.
Nun kann ich also tatsächlich, nach langer Zeit mal wieder sagen, es geht voran, und es ist ein gewisses Erfolgserlebniss, daß ich selbst es vorangetrieben habe. Verlieren kann ich dabei nichts, nur Klarheit gewinnen, wie auch immer es weitergeht mit meiner Befindlichkeit.
Das ist, wie ich finde, ein sehr Schönes Weihnachtsgeschenk!
:-)
486 x aufgerufen und abgelegt unter Gesundheit
Eugene Faust - 2009/12/18 13:49

Ich gratuliere von Herzen und habe irgendwie ein gutes Gefühl... :)

"Was ich in den letzten Monaten gelernt habe, ist, den Wunsch loslassen zu können, von jedermann verstanden zu werden."

Das war beispielsweise in meiner Entwicklung, würde ich sagen, ein Meilenstein.

Hört sich wirklich gut an - alles.

momoseven - 2009/12/18 13:58

Danke, meine Liebste!

Das von DIR zu lesen, bestärkt noch das gute Gefühl, was ich auch dazu habe.
:-XXX
la-mamma - 2009/12/18 14:14

ich les bei dir schon lang mit, du hast hier definitiv kein jammerblog. wollt ich als erstes einmal loswerden ...
ansonsten glaub ich auch, dass es gut ist, "rauszugehen", inbesondere wenn du dann auch noch etwas fuer dich und andere sinnvolles machen kannst.
bei diagnosen bin ich uebrigens immer vorsichtig, das sind ja doch auch oft nur revidierbare meinungen, und nicht wenige aerzte scheinen mir eher auf die diesbezueglichen patientenvorschlaege einzugehen, als eine eigene meinung ueberzeugend begruenden zu koennen ...

momoseven - 2009/12/18 16:20

Hallo liebe La-Mamma!

Danke, das ist schön, das zu lesen!
Das regelmässige Rausgehen unter Menschen wird mir sicher gut tun.
Ich bin zwar inzwischen viel öfter unterwegs als vorher, und nicht nur allein im Wald, aber wieder im Team arbeiten zu können, und etwas Gutes von mir weitergeben, das fehlt mir gerade wirklich sehr.
Was die Ärzte angeht, so hatte ich es schon länger aufgegeben, selbst mit irgendwelchen konkreten Vermutungen aufzuwarten, aus Angst, für einen Hypochonder gehalten zu werden, ich war sogar schon bereit, dem Arzt zu glauben, der sagte, daß es Menschen gibt, die IMMER erhöhte Blutwerte haben, von Natur aus. Dann kam aber wieder so ein Roter Alarm daher, der mich wieder in Angst und Schrecken versetzt hat, und den ich nicht selber ausgelöst habe. Neben der "psychosomatischen Theorie" habe ich auch schon gehört, daß ich nicht krank genug sei, und auch das Schulterzucken und ein "Das kann alles mögliche sein", oder aber "es ist ganz unwahrscheinlich, daß es das und das ist".
Ich könnte ein Buch darüber schreiben...
Liebe Grüsse!
:-)
Eugene Faust - 2009/12/18 16:43

Ich habe zu Beginn meiner Geschichte 7 Jahre mit einer ganz vagen ärztlichen DiagnoseVermutung (Entzündung im...) bestens gelebt und wollte es auch nie genauer wissen, habe einfach wie gehabt weitergearbeitet und gelebt, so lange das eben ging. Dass "das Kind" später dann doch "getauft" wurde, hat meine Situation jedenfalls nicht gebessert.
momoseven - 2009/12/18 17:12

Puh! Heftig!

Ich wollte es halt, zumindest in den letzten 2 Jahren, genauer wissen, aus Angst, da könne sich was eingenistet haben, was, zu spät erkannt, nicht mehr zu behandeln ist. Zumal meine Lebensqualität deutlich darunter litt, im Vergleich zu vorher. Inzwischen denke ich da auch etwas anders, bleibt mir ja erst mal auch gar nichts anderes mehr übrig, als weiterzumachen, und nach vorne zu sehen.
LeilaCouleur - 2009/12/18 19:19

Ich kann meiner Vorkommentatorin nur recht geben: Dies hier ist definitiv kein Jammerblog. Und das war er auch nie.
Seinen Gefühlen Luft zu machen ist auch kein Gejammer sondern etwas das wichtig ist, wenn man seine psychische Gesundheit erhalten will. Alles Runterschlucken im Gegensatz macht krank.
Und allen muss man es wirklich nicht recht machen.

Es ist schön, dass das "in der Luft hängen" für Dich bald ein Ende hat. Ich kenne das selbst gut und Unsicherheiten ertragen ist auch für mich etwas sehr Schwieriges.
Umso besser, dass sich Dir gerade neue Perspektiven eröffnen, mit denen Du etwas anfangen und die Du so für Dich annehmen kannst.

momoseven - 2009/12/18 19:30

Danke, liebe Leila!

Alle meine guten Wünsche für Dich!!!
:-)
putzfrauenblues - 2009/12/18 23:23

Bitte

fühlen Sie sich von mir einmal kräftig umarmt und geherzt! :-))
momoseven - 2009/12/18 23:36

Mmmmmh!

Das tut gut!
((((Frau Putzblues))))
(Das ist eine liebevolle Rückumarmung)
:-)
putzfrauenblues - 2009/12/18 23:39

Schön" :-))

C. Araxe - 2009/12/19 01:38

So, nun schreibe ich doch mal einen Kommentar dazu. Der wird sicher nicht recht hilfreich sein, aber vielleicht einen anderen Blickwinkel eröffnen, auch wenn der nicht wie schon gesagt unbedingt Unterstützung bietet. Mag sein, dass ich teilweise verwöhnt bin. Wirklich ernsthafte physische Beschwerden, die mich auf Dauer belasten, habe ich nämlich nie gehabt. Deswegen kann ich wohl von vornherein nichts sagen, das Sie irgendwie weiterbringen könnte. Es gibt dennoch genug Päckchen bis Brocken bis zu ganzen Lawinen, die ich zu tragen habe oder hatte. Und das einzige Mittel, das ich dagegen habe ist, sich da durchzubeißen. Ich bin da wohl, auch biographisch bedingt, mit einem ungemeinen Lebensdrang und Kämpferwillen ausgestattet. Was sich nicht immer positiv auswirken muss. Aber vielfach ging es einfach nicht anders für mich, als „stark” zu sein, auch wenn ich durchaus meine Schwächen habe. Das Selbstbewusstsein, dass ich diese Stärke habe, wenn ich denn will, wurde zum Glück bisher nie gebrochen. Und ich glaube, dass jeder sehr viel Kraft in sich hat, um Unmögliches zu schaffen. Es gibt da sicher ein paar Dinge, bei denen der stärkste Wille nichts hilft. O.K. – das muss man dann „einfach” akzeptieren. Aber auch mit eingeschränkten Möglichkeiten (wer hat denn wirklich keinerlei Einschränkungen?) würde ich darum kämpfen, was machbar ist.
Ja, also ... Ihnen ganz viel Kraft!

momoseven - 2009/12/19 11:07

Liebe Frau Araxe

Das ist doch auf jeden Fall hilfreich, denn Sie erinnern mich daran, daß ich diese kämpferische Seite auch in mir trage. Auch wenn ich leider seit Kind schon mit den psychischen, und auch physischen Problemen zu tun hatte, die mich immer wieder sehr gebremst und belastet haben, habe ich mich doch auch immer wieder aus schwierigen Situationen herausgekämpft, und mir einen Platz geschaffen, und es gab Zeiten, da hat mich jedermann als stark und selbstbewusst angesehen, und wäre nie auf die Idee gekommen, ich wäre es nicht, selbst ich nicht.
Manchmal hatte ich eher Probleme damit, diese Kraft zu regulieren, und habe mich überansprucht, weil ich ALLES alleine schaffen wollte, so wie in meinen Auslandsjahren.
Bei mir geht es wie immer um einen Mittelweg, zwischen meinen Stärken und meinen Schwächen. In den letzten 2 Jahren hatte ich tatsächlich fast komplett meine Lebenskraft verloren, so umfassend, wie ich es vorher noch nie erlebt habe. Vielleicht, weil ich in den Jahren davor so extrem in der anderen Richtung unterwegs war. Und weil ich bestimmte, biographisch bedingte Dinge in mir erst einmal gründlich aufräumen musste, wie ich das in der letzten Zeit getan habe. Jetzt kehrt so langsam mein Lebenswille zurück, und ich spüre ein neues Selbstbewusstsein, in dem Beides Platz haben kann, meine Stärken UND meine Schwächen. Beides gehört zu mir, und wenn sie im Gleichgewicht sind, sind es Qualitäten, die ich nicht missen möchte. Und darauf arbeite ich hin.
Ich danke Ihnen, liebe Frau Araxe und wünsche Ihnen, daß Sie weiterhin immer Zugang zu Ihrer Kraft haben!
:-)

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