Jäger und Sammler der Stadt
Seit ich regelmäßig mit dem Bus zur Arbeit fahre, habe ich tagtäglich ein Programm der besonderen Art. Ich sitze immer am Fenster, und wenn ich nicht gerade meine italienische Nachbarin treffe und die ganze Viertelstunde Fahrzeit mit ihr plaudere, sehe ich hinaus, und lasse das städtische Leben morgens kurz nach 9 an mir vorüberziehen.
Zum Nachhausefahren steige ich, je nach Besorgungslage, mal bei der einen, oder anderen Haltestelle ein, wobei ich meistens eine kleine Wartezeit habe, in der ich mich wieder umschaue, und dem Treiben der Menschen in der Stadt zusehe. Mit der Zeit fallen einem da schon wiederkehrende Gesichter auf, und oft frage ich mich, was für eine Geschichte da wohl dahintersteht, z.B. bei dem so traurig wirkenden Mann, der den ganzen Vormittag in der Innenstadt zu sein scheint, und immer an verschiedenen Haltestellen sitzt, mit seinem Rucksack und einer Flasche, in der Apfelsaftschorle zu sein scheint (Was es aber wahrscheinlich nicht ist, wenn man sich den Mann genauer anschaut).
In letzter Zeit fallen mir verstärkt Menschen jeden Alters und Geschlechtes auf, die, mit einer grossen Tasche und einem Holzstecken oder verbogenen Kleiderbügel zielstrebig von Abfalleimer zu Abfalleimer laufen, um darin zu wühlen. Sie suchen nach weggeworfenen Pfandflaschen. Das hat man früher auch schon gesehen, und es war meistens das Bild des abgerissenen Penners, der sich sein Bierchen zusammenklaubt. Inzwischen sind es Menschen, die sich von der durch die Stadt treibenden Masse nur durch dieses Stöckchen unterscheiden, und die sich nicht verschämt, sondern zielstrebig bewegen, als hätten sie etwas sehr Wichtiges zu tun. Und das haben sie wohl auch. Es ist eine Form von Arbeit, eine Erwerbsquelle für Menschen, die so wenig haben, daß sie sich praktisch täglich auf eine Route machen, um ein kleines Zubrot zu gewinnen, das entsteht, weil es Menschen gibt, die vielleicht zu bequem oder einfach unachtsam genug sind, um eine Pfandflasche wieder zurückzugeben, denen es die paar Cent gar nicht so wert ist (und vielleicht auch nicht die Umwelt, denn das sollte ja eigentlich der Sinn und Zweck vom Pfand sein, daß das Zeug nicht im Müll landet).
Daß die Sammler dabei, wenn vielleicht auch nicht bewusst und voll beabsichtigt, zum Umweltschutz beitragen, und die Unachtsamkeit anderer Konsumenten damit ausgleichen, ist ein letztlich guter, aber doch seltsamer Vorgang, der leider nur allzu gut in unsere verquere Gesellschaft passt. Die meisten der Passanten, die so einen Sammler bemerken, denken sich wahrscheinlich ihren selbstgerechten Teil dazu, wie sie es früher auch schon bei dem abgerissenen Penner getan haben mögen.
Ich jedenfalls bin versucht, meine Pfandflaschen in den öffentlich zugänglichen Abfalleimern der Stadt zu verteilen.....
:-/
Zum Nachhausefahren steige ich, je nach Besorgungslage, mal bei der einen, oder anderen Haltestelle ein, wobei ich meistens eine kleine Wartezeit habe, in der ich mich wieder umschaue, und dem Treiben der Menschen in der Stadt zusehe. Mit der Zeit fallen einem da schon wiederkehrende Gesichter auf, und oft frage ich mich, was für eine Geschichte da wohl dahintersteht, z.B. bei dem so traurig wirkenden Mann, der den ganzen Vormittag in der Innenstadt zu sein scheint, und immer an verschiedenen Haltestellen sitzt, mit seinem Rucksack und einer Flasche, in der Apfelsaftschorle zu sein scheint (Was es aber wahrscheinlich nicht ist, wenn man sich den Mann genauer anschaut).
In letzter Zeit fallen mir verstärkt Menschen jeden Alters und Geschlechtes auf, die, mit einer grossen Tasche und einem Holzstecken oder verbogenen Kleiderbügel zielstrebig von Abfalleimer zu Abfalleimer laufen, um darin zu wühlen. Sie suchen nach weggeworfenen Pfandflaschen. Das hat man früher auch schon gesehen, und es war meistens das Bild des abgerissenen Penners, der sich sein Bierchen zusammenklaubt. Inzwischen sind es Menschen, die sich von der durch die Stadt treibenden Masse nur durch dieses Stöckchen unterscheiden, und die sich nicht verschämt, sondern zielstrebig bewegen, als hätten sie etwas sehr Wichtiges zu tun. Und das haben sie wohl auch. Es ist eine Form von Arbeit, eine Erwerbsquelle für Menschen, die so wenig haben, daß sie sich praktisch täglich auf eine Route machen, um ein kleines Zubrot zu gewinnen, das entsteht, weil es Menschen gibt, die vielleicht zu bequem oder einfach unachtsam genug sind, um eine Pfandflasche wieder zurückzugeben, denen es die paar Cent gar nicht so wert ist (und vielleicht auch nicht die Umwelt, denn das sollte ja eigentlich der Sinn und Zweck vom Pfand sein, daß das Zeug nicht im Müll landet).
Daß die Sammler dabei, wenn vielleicht auch nicht bewusst und voll beabsichtigt, zum Umweltschutz beitragen, und die Unachtsamkeit anderer Konsumenten damit ausgleichen, ist ein letztlich guter, aber doch seltsamer Vorgang, der leider nur allzu gut in unsere verquere Gesellschaft passt. Die meisten der Passanten, die so einen Sammler bemerken, denken sich wahrscheinlich ihren selbstgerechten Teil dazu, wie sie es früher auch schon bei dem abgerissenen Penner getan haben mögen.
Ich jedenfalls bin versucht, meine Pfandflaschen in den öffentlich zugänglichen Abfalleimern der Stadt zu verteilen.....
:-/
momoseven - 2011/09/08 17:25
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