Rauhtage
So richtig auf der Höhe bin ich zur Zeit ja nicht.
Ich habe mich ein wenig erholt, ja, aber es genügt ein falsches Wort, um mich in den Abgrund zu schubsen. Und seltsamerweise, wenn ich da unten bin, dann erwischt es mich manchmal noch doppelt fies.
So stapfte ich heute in gedrückter Stimmung mit meinem dicken Bibliotheks-Rucksack auf einem 10 Meter breiten Bürgersteig und hörte plötzlich von hinten ganz nah " Geh mir aus dem Weg, Du dumme F...e!"
(Ich schreibe das Wort gar nicht aus, zumal ich nicht sicher bin, ob es mit F oder mit V geschrieben wird, aber ich vermute, das ist egal, weil es denen, die es benutzen, wahrscheinlich eh wurscht ist). Geschockt umgedreht, flanierte an mir ein junges Paar vorbei, SIE, blond, stylisch, lachte, wie über einen guten Witz, während ich nur ein stotterndes "He, geht´s noch?" hinterherwerfen konnte. Er, der Urheber des netten Satzes, ein nackenrasierter Typ, wie sie hier zu Hunderten rumlaufen, schick gekleidet, dreht sich nicht mal um, ich sah nur ein hämisches Grinsen von der Seite.
Mich gruselt.
Ich brauchte den ganzen Nachmittag, um mich wieder zu beruhigen. Ich wünschte, ich hätte ihn zur Rede stellen können, ihm ganz ruhig und präzise meine Meinung pfeifen können, so daß er sich mit hochrotem Kopf entschuldigt hätte, und nie, nie wieder soetwas zu irgendjemandem sagt, schon gar nicht zu einem wildfremden Menschen, dessen Gesicht er nicht mal gesehen hat, aber mir blieb einfach die Luft weg.
Und, ganz im Ernst, in einer kurzen Sekunde wäre ich gerne groß, stark und brutal gewesen, und hätte ihm die Fresse poliert.
Das geb ich gerne zu, denn das Gefühl der Hilflosigkeit und der Scham war in einem Moment fast nicht zu ertragen.
Vielleicht hätte ich sogar richtig gut reagieren können, wenn ich einen anderen Menschen hätte verteidigen müssen, aber ich selbst konnte nichts für mich tun in diesem Moment, und das war eine harte Erkenntniss.
Mich gruselt wirklich! Dabei ist das hier nicht New York, oder Berlin, sondern nur eine poplige Möchtegern-Großstadt, und auch, wenn sicher nicht alle Menschen hier so sind, so gibt es doch sicher einige davon, die mit so einer Haltung durch die Welt gehen. Dabei noch hämisch zu grinsen, und die lachende Zustimmung der Frau neben ihm, das hat mir dabei noch den Rest gegeben.
Vielleicht schimmert hier das wahre Gesicht einer Gesellschaft durch, in der Agressionen tabuisiert sind, und die sich in blutrünstigen Filmen und Computerspielen ein zweifelhaftes Ventil sucht, was von der Industrie und der Werbung noch gefördert wird. Wenn solche Inhalte dann verinnerlicht werden, dann sind Menschen keine Menschen mehr, sondern störende Hindernisse, Feinde, Gesocks, etc., die man verbal (oder, wie es in Großstädten überall geschieht) auch tätlich auf ihren Platz verweisen muss.
Nun ja, es sind die Rauhnächte, eine Zeit, die ich selbst immer als sehr empfindlich und verletzlich erlebe.
Auch "beisst" das Wetter zur Zeit wieder, und die Pause von der Menopause scheint auch vorbei zu sein.
Deßhalb werde ich jetzt meine alte Räucherschale auspacken, und zumindest hier für mich Zuhause ein Feld mit guter Energie erschaffen, in dem ich mich dann hoffentlich auch wieder ganz beruhigen kann.
Euch Allen Schutz und ganz viel Gute Energie und ein Schönes Wochenende!
:-/
Ich habe mich ein wenig erholt, ja, aber es genügt ein falsches Wort, um mich in den Abgrund zu schubsen. Und seltsamerweise, wenn ich da unten bin, dann erwischt es mich manchmal noch doppelt fies.
So stapfte ich heute in gedrückter Stimmung mit meinem dicken Bibliotheks-Rucksack auf einem 10 Meter breiten Bürgersteig und hörte plötzlich von hinten ganz nah " Geh mir aus dem Weg, Du dumme F...e!"
(Ich schreibe das Wort gar nicht aus, zumal ich nicht sicher bin, ob es mit F oder mit V geschrieben wird, aber ich vermute, das ist egal, weil es denen, die es benutzen, wahrscheinlich eh wurscht ist). Geschockt umgedreht, flanierte an mir ein junges Paar vorbei, SIE, blond, stylisch, lachte, wie über einen guten Witz, während ich nur ein stotterndes "He, geht´s noch?" hinterherwerfen konnte. Er, der Urheber des netten Satzes, ein nackenrasierter Typ, wie sie hier zu Hunderten rumlaufen, schick gekleidet, dreht sich nicht mal um, ich sah nur ein hämisches Grinsen von der Seite.
Mich gruselt.
Ich brauchte den ganzen Nachmittag, um mich wieder zu beruhigen. Ich wünschte, ich hätte ihn zur Rede stellen können, ihm ganz ruhig und präzise meine Meinung pfeifen können, so daß er sich mit hochrotem Kopf entschuldigt hätte, und nie, nie wieder soetwas zu irgendjemandem sagt, schon gar nicht zu einem wildfremden Menschen, dessen Gesicht er nicht mal gesehen hat, aber mir blieb einfach die Luft weg.
Und, ganz im Ernst, in einer kurzen Sekunde wäre ich gerne groß, stark und brutal gewesen, und hätte ihm die Fresse poliert.
Das geb ich gerne zu, denn das Gefühl der Hilflosigkeit und der Scham war in einem Moment fast nicht zu ertragen.
Vielleicht hätte ich sogar richtig gut reagieren können, wenn ich einen anderen Menschen hätte verteidigen müssen, aber ich selbst konnte nichts für mich tun in diesem Moment, und das war eine harte Erkenntniss.
Mich gruselt wirklich! Dabei ist das hier nicht New York, oder Berlin, sondern nur eine poplige Möchtegern-Großstadt, und auch, wenn sicher nicht alle Menschen hier so sind, so gibt es doch sicher einige davon, die mit so einer Haltung durch die Welt gehen. Dabei noch hämisch zu grinsen, und die lachende Zustimmung der Frau neben ihm, das hat mir dabei noch den Rest gegeben.
Vielleicht schimmert hier das wahre Gesicht einer Gesellschaft durch, in der Agressionen tabuisiert sind, und die sich in blutrünstigen Filmen und Computerspielen ein zweifelhaftes Ventil sucht, was von der Industrie und der Werbung noch gefördert wird. Wenn solche Inhalte dann verinnerlicht werden, dann sind Menschen keine Menschen mehr, sondern störende Hindernisse, Feinde, Gesocks, etc., die man verbal (oder, wie es in Großstädten überall geschieht) auch tätlich auf ihren Platz verweisen muss.
Nun ja, es sind die Rauhnächte, eine Zeit, die ich selbst immer als sehr empfindlich und verletzlich erlebe.
Auch "beisst" das Wetter zur Zeit wieder, und die Pause von der Menopause scheint auch vorbei zu sein.
Deßhalb werde ich jetzt meine alte Räucherschale auspacken, und zumindest hier für mich Zuhause ein Feld mit guter Energie erschaffen, in dem ich mich dann hoffentlich auch wieder ganz beruhigen kann.
Euch Allen Schutz und ganz viel Gute Energie und ein Schönes Wochenende!
:-/
momoseven - 2011/12/30 18:38
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